Erstgespräch und Diagnostik
Warum biete ich keine kostenfreie Erstberatung oder „eine Probestunde“ an?
Aus meiner langjährigen Erfahrung weiß ich: „die eine Rechenschwäche“ gibt es nicht. Jedes Kind bringt seine eigene Vorgeschichte, individuelle Besonderheiten und unterschiedliche Lernvoraussetzungen mit.
Um Ihr Kind wirklich verstehen und gezielt fördern zu können, braucht es:
- ein ausführliches Anamnesegespräch
- eine pädagogische Förderdiagnostik, die alle für eine Dyskalkulie relevanten Bereiche beleuchtet
- sowie ein anschließendes Elterngespräch
Erst auf dieser Grundlage lässt sich fundiert erklären, warum Ihr Kind bestimmte Aufgaben bewältigt – und andere doch nicht. Zusätzlich sind meist ein bis zwei Trainingseinheiten notwendig, damit sich das Kind öffnen kann und Lernbereitschaft, Gedächtnis und Lerntempo realistisch eingeschätzt werden können.
All dies ist weder in einer einzelnen Probestunde noch in einem Telefonat möglich.
Ich beantworte Ihre Fragen daher bewusst erst nach einer fundierten Diagnostik, um Ihnen korrekte und verlässliche Aussagen machen zu können.
Eine qualitätsvolle, professionelle Arbeit erfordert Zeit, Fachwissen – und eine entsprechende Vergütung.
Liegt bereits ein psychologisches Testergebnis vor – muss trotzdem erneut getestet werden?
Ja. Auch wenn ein psychologisches Gutachten vorliegt, sollte sich der Dyskalkulietrainer immer ein eigenes Bild vom Kind machen. Dazu gehören:
- um die Ziele und ErwartungeAnamnese
- eine pädagogische Förderdiagnostik, wie die Bayreuther Förderdiagnostik oder BESMATH 1-3; bei Bedarf – zum Schwerpukt Aufmerksamkeit und Wahrnehmung ist eine multisensorische Testung bzw. ein AFS – Test sehr hilfreich.
- Elterngespräch
Vorhandene Gutachten können unterstützend einbezogen werden. Die pädagogische Förderdiagnostik ist jedoch entscheidend für die Erstellung eines individuellen Trainingsplans.
Wie kann es sein, dass ein psychologischer Test keine Dyskalkulie zeigt, das Kind aber dennoch Schwierigkeiten hat?
Viele Rechentests messen lediglich Fehleranzahl in einer bestimmten Zeit. Gerade im Zahlenraum bis 100 (Klasse 1–2) können Kinder Verständnislücken häufig durch gutes Gedächtnis oder Ersatzstrategien kompensieren.
Deshalb wird eine Rechenschwäche oder Dyskalkulie oft erst ab der 3. Klasse bemerkt.
In der pädagogischen Förderdiagnostik geht es nicht darum, wie viele Fehler ein Kind in einer bestimmten Zeit macht. Viel wichtiger ist wie und warum Fehler entstehen. Dadurch können dyskalkulietypische Denk- und Lösungswege erkannt und gezielt gefördert werden.
Dürfen Lehrkräfte Rechen-, Lese- oder Rechtschreibtests durchführen?
Ja. Besonders aussagekräftig ist eine Fehleranalyse über einen längeren Zeitraum, z. B. anhand von Schulheften oder Klassenarbeiten. Diese ist oft hilfreicher als ein einzelner quantitativer Rechentest, der immer nur eine Momentaufnahme darstellt.
Wie erfolgt die Diagnostik in der lerntherapeutische Praxis?
Der AFS-Test (bis 12 Jahre) ist ein bewährtes Instrument der multisensorischen Diagnostik, mit dem Aufmerksamkeits- sowie Wahrnehmungsdefizite differenziert erfasst werden können.
Der AFS-Test ist ein erprobtes, kindgerechtes Verfahren, mit dem Aufmerksamkeit und Wahrnehmung über mehrere Sinneskanäle hinweg untersucht werden können.
Warum enthalten pädagogische Diagnosen keinen Schweregrad?
Bezeichnungen wie „leicht“ oder „schwer“ werden häufig missverstanden:
- „leicht“ wird fälschlicherweise als „kein Förderbedarf“ interpretiert
- „schwer“ kann Eltern und Kind verunsichern oder entmutigen Ihr Kind zu fördern
Um dies zu vermeiden, wird bewusst auf eine solche Einstufung verzichtet und stattdessen der konkrete Förderbedarf beschrieben.
Dürfen Daten meines Kindes weitergegeben werden?
Nein. Eine Weitergabe von Daten erfolgt ausschließlich mit schriftlicher Zustimmung der Eltern.
Darf ein/e Legasthenie- oder Dyskalkulietrainer/in eine Diagnose stellen?
Ja. Diplomierte Trainerinnen und Trainer sind berechtigt, pädagogische Diagnosen und Gutachten zu verfassen.
In Baden-Württemberg werden diese Gutachten gemäß der aktuell gültigen Verwaltungsvorschriften von Schulen grundsätzlich anerkannt und in die schulische Förderung einbezogen.
Welche Testverfahren kommen zum Einsatz?
- Pädagogische Testverfahren (z. B. AFS-Test)
- Lese-, Rechtschreib- und Rechentests
Psychologische Tests (z. B. IQ-Tests) dürfen nur von entsprechend ausgebildeten Fachpersonen durchgeführt werden. Zudem ist deren Aussagekraft bei Legasthenie/Dyskalkulie begrenzt.
Was ist der AFS-Test?
Der AFS-Test ist ein standardisiertes, computergestütztes pädagogisches Diagnoseverfahren für Kinder von 6 bis 14 Jahren.
In ca. 45–60 Minuten werden Aufmerksamkeits-, Funktions- und Symptombereiche getestet.
Das Ergebnis ist ein übersichtliches Diagramm, welches ein individuellen Trainingsplan und pädagogischem Gutachten ermöglicht.
Ist ein Test wichtiger als eine längere Beobachtung?
Beides ist wichtig.
Ein Test hilft beim Einstieg und bei der Planung. Die kontinuierliche Beobachtung während des Trainings ist jedoch unerlässlich, da ein Test immer nur eine Momentaufnahme darstellt.
Ist im Vorschulalter bereits eine Diagnose möglich?
Eine gesicherte Diagnose von Legasthenie oder Dyskalkulie ist im Vorschulalter noch nicht möglich.
Sehr wohl können jedoch differente Sinneswahrnehmungen erkannt und gezielt gefördert werden – um späteren Lernproblemen vorzubeugen.
Sind Augen- oder Hörtests immer notwendig?
Nur dann, wenn sich entsprechende Hinweise ergeben.
Wie lange dauert ein Training?
Die Dauer ist individuell. Bei einer mittelschweren Legasthenie ist im Durchschnitt mit 2–3 Jahren zu rechnen. Entscheidend sind u. a. Motivation, Mitarbeit und Unterstützung im Alltag.
Warum dauert eine Einheit 45 Minuten?
Die meisten Kinder erreichen nach etwa 45 Minuten ihre Belastungsgrenze.
Das Einzeltraining ist sehr intensiv und konzentriert sich genau auf jene Bereiche, die dem Kind besonders schwerfallen.
Müssen Lesen, Schreiben und Rechnen gleichzeitig trainiert werden?
Ja. Alle Bereiche greifen ineinander. Schwierigkeiten im Lesen wirken sich z. B. direkt auf das Textverständnis in Mathematik aus.
Was können Eltern zu Hause tun?
Bewährt hat sich ein tägliches Kurztraining von 10–15 Minuten, z. B. mit:
- individuell erstellten Übungen ggf. Übungsblatt
- Trainingsbuch oder Online-Trainingscenter
So wird das Kind optimal und altersgerecht unterstützt.
Kann ein IQ-Test eine Legasthenie oder Dyskalkulie feststellen?
Nein. Kinder mit Legasthenie oder Dyskalkulie können jede Form von Intelligenz haben. IQ-Tests führen hier häufig zu Fehldiagnosen.
Gezielte Förderung wirkt nachweislich positiv – jedes Kind hat das Recht darauf.
Informationen für Eltern
Jedes Kind lernt anders – deshalb gibt es keine „Standardlösung“ bei Lernschwierigkeiten.
Eine pädagogische Förderdiagnostik hilft dabei, die Ursachen der Probleme Ihres Kindes zu verstehen und gezielt anzugehen.
✔ individuelle Anamnese
✔ kindgerechte Testung
✔ verständliches Elterngespräch
✔ maßgeschneiderter Trainingsplan
Eine einzelne Probestunde kann diesen Prozess nicht ersetzen.
Ziel ist es, Ihr Kind ohne Druck, aber mit klarer Struktur, nachhaltig zu stärken.
Das Training erfolgt in 45-minütigen Einheiten und wird durch kurze, alltagstaugliche Übungen für zu Hause ergänzt.
So entsteht eine stabile Basis für mehr Selbstvertrauen, Lernerfolg und Freude am Lernen.