Förderung bei Dyskalkulie

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Ablauf der Förderung bei Dyskalkulie

Die ausserschulische Förderung in einem Fall von Dyskalkulie erfolgt in mehreren Schritten und umfasst verschiedene Verfahren. Zunächst wird eine Diagnostik durchgeführt, um ein umfassendes Bild der mathematischen Fähigkeiten und Schwierigkeiten des Kindes zu erhalten. Die wichtigsten Schritte sind:

  • Erstgespräch: Zu Beginn findet ein ausführliches Gespräch mit den Eltern oder Erziehungsberechtigten statt. Hierbei werden die Beobachtungen der Eltern bezüglich der mathematischen Fähigkeiten des Kindes, seiner schulischen Leistungen und seines Verhaltens im Unterricht erörtert. Auch Informationen über die allgemeine Entwicklung des Kindes, seine Stärken und Schwächen sowie mögliche familiäre Belastungen werden gesammelt.
  • Diagnostik mit KaRTe: Nach dem Erstgespräch wird eine qualitative Diagnostik mit dem KarlsruherRRechenTest KaRTe durchgeführt, um die mathematischen Fähigkeiten des Kindes objektiv zu bewerten. Diese Diagnostik kann Aufgaben zu verschiedenen Themen umfassen, wie z.B. Zahlenverständnis, Rechenoperationen (Addition, Subtraktion, Multiplikation, Division) und das Verständnis von mathematischen Konzepten.
  • Entwicklung: Eine Analyse der Entwicklungsgeschichte des Kindes fließt ebenfalls ein. Dies umfasst Informationen über Entwicklungsmeilensteine, Sprachentwicklung und andere relevante Faktoren.
  • Zusätzliche Tests: In einigen Fällen können auch weitere Tests zur Überprüfung kognitiver Fähigkeiten oder zur Identifizierung möglicher Begleiterkrankungen (z.B. ADHS) eingesetzt werden.

  • Ziele der Therapie: Gemeinsam mit den Eltern werden die Ziele für die Therapie festgelegt. Dies kann beispielsweise die Verbesserung spezifischer mathematischer Fähigkeiten oder das Erlernen von Strategien zur Bewältigung von Prüfungsangst sein.
  • Erwartungen klären: Es ist wichtig, dass alle Beteiligten realistische Erwartungen an den Therapieprozess haben. Der Therapeut erklärt den Ablauf der Therapie und welche Fortschritte in welchem Zeitraum zu erwarten sind.
  • Ressourcen identifizieren: Der Therapeut ermittelt auch die Ressourcen des Kindes – sowohl in Bezug auf seine Stärken als auch auf unterstützende Faktoren im Umfeld (z.B. Unterstützung durch Lehrer oder Familie).

Therapieablauf bei Dyskalkulie

Die Therapie bei Dyskalkulie erfolgt in mehreren Phasen und kann je nach individuellem Bedarf angepasst werden:

1. Individuelle Lernpläne

Basierend auf den Ergebnissen der Diagnostik wird ein individueller Lernplan erstellt. Dieser Plan berücksichtigt die spezifischen Bedürfnisse des Kindes sowie seine Stärken und Schwächen in Mathematik.

2. Förderung grundlegender mathematischer Fähigkeiten

In den ersten Sitzungen liegt der Fokus oft auf dem Aufbau grundlegender mathematischer Fähigkeiten:

  • Zahlenverständnis: Das Kind lernt den Umgang mit Zahlen, Zählstrategien und das Verständnis von Mengen.
  • Rechenoperationen: Schrittweise Einführung in Addition, Subtraktion, Multiplikation und Division unter Verwendung anschaulicher Materialien.

3. Anwendung von Strategien

Im Verlauf der Therapie werden verschiedene Strategien vermittelt:

  • Visuelle Hilfen: Einsatz von visuellen Materialien wie Zählsteinen oder Diagrammen zur Veranschaulichung mathematischer Konzepte.
  • Gedächtnistraining: Techniken zur Verbesserung des Arbeitsgedächtnisses und zur Unterstützung beim Merken von Rechenregeln.

4. Förderung von Problemlösestrategien

Ein wichtiger Bestandteil der Therapie ist das Erlernen von Problemlösestrategien:

  • Kinder lernen, mathematische Probleme systematisch anzugehen und verschiedene Lösungswege auszuprobieren.

5. Integration in den Schulalltag

Die letzte Phase konzentriert sich darauf, das Gelernte in den Schulalltag zu integrieren:

  • Unterstützung bei Hausaufgaben
  • Vorbereitung auf Klassenarbeiten
  • Zusammenarbeit mit Lehrern zur Anpassung des Unterrichts

Benefits für Betroffene mit Dyskalkulie

Die Teilnahme an einer gezielten Dyskalkulietherapie bringt zahlreiche Vorteile für betroffene Kinder:

  1. Verbesserung der mathematischen Fähigkeiten: Durch individuelle Förderung können Kinder ihre Rechenfähigkeiten erheblich verbessern.
  2. Steigerung des Selbstbewusstseins: Erfolgreiche Lernerfahrungen führen zu einem gestärkten Selbstwertgefühl und mehr Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.
  3. Reduzierung von Angst und Stress: Durch gezielte Strategien lernen Kinder besser mit Prüfungsangst umzugehen und ihre Emotionen während des Lernens zu regulieren.
  4. Bessere schulische Integration: Mit verbesserten Fähigkeiten können Kinder aktiver am Unterricht teilnehmen und soziale Isolation vermeiden.
  5. Langfristige positive Auswirkungen: Die erlernten Strategien helfen nicht nur in der Schule, sondern auch im späteren Leben – sei es im Beruf oder im Alltag.
  6. Unterstützung durch das Umfeld: Die Einbeziehung von Eltern und Lehrern fördert ein unterstützendes Umfeld für das Kind.

Die Diagnostik und Therapie bei Dyskalkulie sind entscheidende Schritte zur Unterstützung betroffener Kinder. Durch eine individuelle Herangehensweise können sie nicht nur ihre mathematischen Fähigkeiten verbessern, sondern auch ihr Selbstbewusstsein stärken und langfristig erfolgreich am gesellschaftlichen Leben teilnehmen.

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